Du interessierst dich also für die Ausbildung zum Fallschirmspringer, bzw. Skydiver? Großartig! Neben Tauchen ist es eine der wenigen Sportarten, die einem einen völlig neuen Blick auf unser Dasein eröffnet. Und ich hoffe das diese Seite dich dabei einen Schritt weiterbringt.

Der Begriff “Fallschirmspringen” wird kaum verwendet. Stattdessen sprechen wir vom “Skydiven”. Denn im Gegensatz zum klassischen Fallschirmspringen (z.B. Zielspringen) geht es bei uns um möglichst viel Freifallzeit. Das Landen am Schirm ist eigentlich nur Mittel zum Zweck diese zu überleben.

Bevor du mit der Ausbildung anfängst solltest du erstmal wissen, ob das Springen aus einem Flugzeug überhaupt etwas für dich ist. Es gibt da zwei Wege dies herauszufinden:

Mach einen Tandemsprung! Man muss sich nicht vorbereiten, nicht nachdenken, und hat ne Menge Spaß! Dies kann man auch locker am Urlaubsort machen. So hat es bei mir auch angefangen. Kostet ca. 170€.
Mach einen “Schnuppersprung” (auch AFF Level 1 genannt). Du hast ca. 1,5 Tage Theorieunterricht & Bewegungsübungen, und dann deinen ersten eigenen Sprung. Zur Sicherheit springen zwei Ausbilder mit, die dich in der Luft stabilisieren und notfalls deinen Schirm öffnen. Kostet etwa 320€.

Mythos #1: Kommunikation

In Filmen sieht man immer mal wieder, wie sich Fallschirmspringer im freien Fall unterhalten oder etwas zurufen. Doch das geht nicht. Bei 200 km/h übertönen die Windgeräusche alles andere. Man verständigt sich via Handzeichen. Alternativ könnte man höchstens einen geschlossenen Helm mit Headset nutzen.

Mythos #2: Freifallzeit

Die durchschnittliche Freifallzeit bei einem Sprung aus 4.000 m Höhe beträgt etwa 60 Sekunden. Mehr ist für gewöhnlich nicht möglich. Dafür müsste man höher gehen, und dann wären spezielle Wärmekleidung und Sauerstoffmaske nötig.

Mythos #3: Festhalten

Innerhalb eines bestimmten Zeitfensters ist es zwar möglich jemandem nachzuspringen & ihn einzuholen. Aber ein Festhalten während der Öffnung ist nicht möglich, dafür sind die auftretenden Kräfte zu hoch. Hier hilft nur vernünftiges Gurtzeug.

Mythos #4: Lebensmüde

Außenstehenden erscheint Fallschirmspringen gefährlich, und Fallschirmspringer lebensmüde. Doch das trifft es nicht ganz. Natürlich ist die Konsequenz eines Fehlers verheerender, als z.B. beim Fußballspielen. In den letzten Jahrzehnten ist jedoch sehr viel für die Sicherheit getan worden. Jeder Springer hat einen Reservefallschirm dabei, sollte sich der Hauptfallschirm einmal nicht korrekt öffnen. Dieser Reserveschirm darf auch nur von einem speziell ausgebildeten Fallschirmwart gepackt werden, um Packfehler auszuschließen. Das ganze Equipment kommt jährlich zu einer Art TÜV, wo es genau überprüft wird. Sollte ein Springer aus irgendeinem Grund (z.B. Bewußtlosigkeit) den Fallschirm nicht öffnen können, so erledigt dies ein elektrischer Öffnungsautomat. Todesfälle sind so sehr selten geworden. 2012 gab es in ganz Europa 17 Todesfälle. Darin sind auch Selbstmorde und Unfälle durch waghalsige Landemanöver enthalten. Das Risiko liegt also bei etwa 0.0007%, kann aber durch vernünftiges Verhalten nochmals reduziert werden.

 

Die Chancen stehen gut, dass du nun so richtig angefixt bist. Der nächste logische Schritt ist nun der Beginn der Ausbildung zum Lizenzspringer. Hier gibt es prinzipiell zwei Wege:

Die AFF-Ausbildung kommt aus den USA. AFF steht für Accelerated Freefall. Sie ist in sieben Levels gegliedert. Hier springt der Schüler von Beginn an selbstständig, mit dabei zwei Ausbilder die ihn in der Luft unterstützen. Heutzutage findet sich meist nur noch diese Form, da sie mehr Spaß macht und schneller ans Ziel führt.
Bei der klassischen Ausbildung wird aus relativ geringer Höhe abgesprungen (ca. 1.000 Meter). Durch eine fest am Flugzeug befestigte “Aufziehleine” wird der Fallschirm sofort bei Verlassen des Flugzeugs automatisch geöffnet. Es findet nahezu kein freier Fall statt. Erst im Laufe der Ausbildung wird die Absprunghöhe erhöht, und zur manuellen Auslösung umgeschwenkt.

 

Die AFF-Ausbildung beeinhaltet folgende Bereiche:
– Den Schnuppersprung (optional)
– Den Theorieunterricht
– Den Grundkurs (die ersten 7 Sprünge)
– 8 Solosprünge
– 3 Höhenabbausprünge
– 5 Formationsprünge
– Packkurs Fallschirm
– Theorieprüfung (inkl. Packprüfung)
– 2 Prüfungssprünge

Besteht man Theorie & Praxis, kann man den “Luftfahrerschein für Luftsportgeräteführer” (Sport Pilot Licence) beantragen. Man benötigt noch eine Fallschirmspringer-Haftpflichtversicherung. Danach ist man berechtigt alleine aus einem Flugzeug zu springen. Und das sogar in den meisten Ländern der Welt.

Wenn man hört dass ein Lizenzspringer pro Sprung nur 22€ zahlt, könnte man meinen ein eigentlich recht bezahlbares Hobby gefunden zu haben. Das stimmt eigentlich auch. Eigentlich. Darum hier einmal meine Erfahrungswerte zum Thema Kosten:

Während der Ausbildung
Kosten der Ausbildung: Ungefähr 2.500€
Nebenkosten (Sprit, Essen, Schlafen): 200€

Nach der Ausbildung
Eigener Schirm: 2.000€ (gebraucht, 15 Jahre alt) bis über 6.000€ (neu)
Anzug: Ab 300€
Höhenmesser, Brille, Helm: Ab 250€
Haftpflichtversicherung: Ab 59€ pro Jahr
DFV Mitgliedschaft (optional): 67€ pro Jahr
Vereinsmitgliedschaft (optional): Z.B. 15€ pro Monat

Dann hätten wir jetzt schon etwa 5.500€ auf der Uhr, und noch kein Sprungticket. Wenn man Sprünge im Block kauft, gibt es Rabatt. So bekommt man etwa 25 Sprünge für 575€. Und wenn man so richtig heiß aufs Springen ist, springt man durchaus 5x am Tag. Also hält so ein 25er Ticket nichtmal einen Monat.

Aber Geld ist ja zum Glück nicht das Wichtigste im Leben. Höchstens Mittel zum Zweck.